Brauchtum

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Die „Helldrachen“

Zu den Eigenheiten in der Vorderrhön gehört unter anderem, dass viele Orte so genannte Spitz- oder Beinamen haben. Wie diese entstanden sind, lässt sich nur schwer ermitteln. Sie sind in der Regel schon viele Jahrhunderte alt und geben Aufschluss auf besondere Begebenheiten oder auf Charaktereigenschaften der jeweiligen Bewohner.

Die Kranluckener haben ihren Beinamen „Helldrachen oder Kroalecker Helldrache“ nie als Beleidigung aufgefasst, sondern mit einem Schuss Humor und Stolz getragen. Möglicherweise könnte die Bezeichnung mit dem Wappentier – der Krähe – zusammenhängen. Oft wurde der Rabe als Bote aus der Hölle benutzt. Vielleicht ergibt sich aus dieser mittelalterlichen Vorstellungswelt ein Zusammenhang..

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Kranluckener Humor – Ein Helldrach schmückt einen der Dorfbrunnen

Haus und Hofnamen

Eine weitere Besonderheit ist die Benennung der einzelnen Höfe mit verschiedenen Hofnamen. Diese gehen in der Regel auf ihre früheren Bewohner oder deren Berufe zurück. Oft werden die Vornamen von markanten Frauen und Männern in abgewandelter Form wiedergegeben. Manchmal gehen auch Flurbezeichnungen oder die Hoflage im Dorf mit ein. Bei Hochzeiten oder Umzügen wurde der Name gelegentlich mitgenommen.

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Hof Kreysers – vom Jagdaufseher abgeleitet

Aus einem Vornamen abgeleitet: Christine, Damians, Karles, Lehne Von Beruf und Lage abgeleitet: Obere Mühle, Untere Mühle, Oberschmied, Gartenschneider Vom Standort des Hofes abgeleitet: Stegvölkers, Kirchemehlers Vom Beruf abgeleitet: Kreysers (Jagdaufseher), Scheppe (Gerichtschöffe), Schniedersch (Schneider)

Die Kirmes

Die Kirmes wurde gefeiert, um an die Einweihung der Kirche zu erinnern, ursprünglich war sie aber ein Erntedankfest.

Der Weihetag der Pfarrkirche von Kranlucken ist der 5. September 1756. Noch heute wird jedes Jahr im September die traditionelle Kirmes gefeiert und zwar von Freitag bis Montag. Dabei ziehen noch wie vor Jahrhunderten die Kirmespaare angeführt von den “Ploatzburschen” zum Kirmestanz unter die Dorflinde.

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Die Fastnacht

Bereits in früheren Jahren wurde in Kranlucken die traditionelle Fastnacht gefeiert. Bei dem kleinen Umzug durch das Dorf fanden sich Wurstmännchen, der Beiatz, Hexen oder andere unheimliche Wesen wieder. Später kamen dann die noch heute typischen Verkleidungen auf. Mittlerweile feiern die Einwohner des Ortes noch an einem Abend einen Hausfasching mit buntem Büttenprogramm.

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Umzug in den 70iger Jahren

Der Hutzelsonntag

Der erste Sonntag nach Fastnacht ist der „Hutzelsonntag“. Schon Wochen vorher wird der Hutzelhaufen von den Dorfjungen aufgeschichtet. Am Abend wird er angezündet und die Kinder ziehen mit Laternen von Haus zu Haus und singen das bekannte Hutzellied “De Hutzel sen gesote”. Dafür erhalten sie Geld oder Süßigkeiten. Der Hutzelsonntag stammt ursprünglich aus heidnischer Zeit und das Feuer soll die Vertreibung des Winters symbolisieren.

Die Tracht im 19. Jahrhundert

Die Tracht im 19. Jahrhundert in Kranlucken und in den Ortschaften des Geisaer Landes war relativ einfach und schlicht, da man in allen Lebensbereichen kaum Wohlstand kannte. Die Stoffe stellten die Leute aus Wollen oder Leinen selbst her.

Die Frauentracht

Im Alltag banden sich die Frauen ein Kopftuch um. Zum Kirchgang oder anderen Anlässen wurde das sogenannte “Kommodchen” getragen. Die kurze schwarze Jacke war ein einfaches Kleidungsstück. Die Schultern wurden durch dicke bauschige Falten hervorgehoben. Um den Hals trugen die Frauen und Mädchen ein schneeweißes, kunstvoll besticktes Tuch. Gingen die Frauen außer Haus, zogen sie auf die Jacke ein gesticktes farbiges Dreieckstuch, den so genannten Seelenwärmer an. Unter der Jacke trugen die Frauen ein weißes, aus Leinen gefertigtes Mieder oder Leibchen. Um die Kleidungsstücke zusammenzuhalten, wurden Hacken und Ösen verwendet. Die Farbe der Röcke war unterschiedlich, es wurden jedoch nur dunkle Farben getragen. In der Regel war ein Muster eingewebt. Auf dem Rock trugen die Frauen eine Schürze aus Leinen oder Seide. Dabei hatten wiederum dunkle Farben den Vorrang. Junge Mädchen bestickten ihre Schürzen mit hellen Blumenmotiven. Die Strümpfe für Frauen waren aus Schafwolle, sie wurden glatt gestrickt und schwarz gefärbt. Zu Feierlichkeiten trugen sie bunt bestickte Strümpfe, die so genannten Zwickelstümpfe.

Die Männertracht

Zu feierlichen Anlässen trugen die Männer den Dreispitz. Im Alltag setzten sie sich eine Zipfelmütze, im Winter eine Pelzkappe auf. Gewöhnlich trugen die Männer werktags einen blauen Kittel aus Leinen. Zu Kirchgang oder anderen festlichen Anlässen hatte man den dunkelblauen Rock aus Moldum, der ebenfalls bis in die Kniekehle reichte. Unter den Rock zogen die Männer eine Tuchweste aus Leinen. Sie hatte einen Stehkragen. Die Farbe war schwarz oder rot. Das weiße Sonntagshemd war ebenfalls aus weißem Leinen und hatte gleichfalls nur einen kleinen Stehkragen. Die Kniebundhose aus Leinen oder Beiderwand wurde zu Feier- und Werktagen getragen.

Dreispitz

Dreispitz und die alltäglichen Holzschuhe

Sonntags trugen Frauen und Männer die leichten “Kamelschuhe”. Zur täglichen Arbeit trugen alle Holz- oder Pechschuhe. Dieser Schuhe war relativ schwer. Im Haus wurden die sogenannten “Lappesäcke” – aus Stoffresten gefertigte Hausschuhe getragen.